
05 Kultur und Entwicklung
Der Begriff „Kultur und Entwicklung“ kann auf zwei unterschiedliche Arten verstanden werden:
1. Kulturelle Aktivitäten
Kulturelle Aktivitäten werden bei Jugendprojekten oft und erfolgreich eingesetzt, um spielerisch und durch einen lockeren Umgang komplexere Projektziele zu erreichen. Zum Teil erweist es sich als schwierig und kaum machbar, gewisse sensible Themen direkt in einem Workshop oder einer Diskussion zu thematisieren, v.a. am Anfang kann es sein, dass Jugendliche blockieren und sich gegenüber der direkten Thematisierung verschliessen. Solche sensible Themen können z.Bsp. interethnische Verständigung, Förderung interkultureller Kompetenzen, Rassismus, Geschlechterrollenverständnis, Vergangenheitsbewältigung, Konfliktmanagement, HIV/Aids, etc sein.
Hier helfen „indirekte“ Aktivitäten weiter, bei welchen sensible Themen eher spielerisch und aus einer anderen Position thematisiert werden. Einige Beispiele dafür sind:
- Theater: Dank Rollenspielen können die Jugendlichen in andere Rollen schlüpfen und so andere Lebenswelten und Positionen (anderes Geschlecht, andere soziale Position, etc.) erfahren und verstehen zu lernen.
- Musik und Tanz: Diese Aktivitäten haben eine verbindende Wirkung und lassen ein Gemeinschaftsgefühl aufkommen. Beispiel: International Youth Summer Camp, Summercamp Sombor.
- Film: Filme drehen erlauben es, aus einer eher distanzierten Perspektive Geschehnisse zu dokumentieren und aufzuarbeiten. Beispiel: Austauschprojekt Zürich – Sarajevo, Jugendtreff Kreis 4 und Maxim Theater.
- Malen, basteln: Diese Methode eignet sich am Ehesten um mit Kindern zu arbeiten
Links:
imagine international, terre des hommes Schweiz
http://www.terredeshommes.ch/projekte_schweiz/jugend_entwicklung/imagine_international
Ostprojekt, seit 2008 unterstützte Kleinprojekte
http://www.youthfordevelopment.ch/ost/aktuelle-projekte_2008
2. Zusammenhang zwischen Kultur und Entwicklungszusammenarbeit
„Culture matters“ (Kultur ist von Bedeutung): dies ist ein Grundsatz in der Entwicklungszusammenarbeit – und somit auch bei Jugendprojekten in Entwicklungsländern, welcher davon ausgeht, dass der Einbezug der Kultur eines Landes, einer Region oder eine Ethnie massgebend zum Erfolg oder Misserfolg eines Projektes führen kann.
Kultur – die Werte, Traditionen, Gewohnheiten, etc. einer Gesellschaft - ist ein Mehrwert, welcher bei der Planung, Umsetzung und Evaluation von Projekten hinzugezogen werden sollte. Um die kulturellen Gegebenheiten in ein Projekt einfliessen zu lassen, müssen die einzelnen Projekte partizipativ mit der lokalen Jugendorganisation umgesetzt werden, denn die lokalen Jugendlichen sind diejenigen, die ihre eigene Kultur am besten kennen. Sie kennen die lokalen Tabus, welche nicht gebrochen werden sollten und wissen, welche Methoden sich aus kulturellen Gründen erfolgreich oder nicht anwenden lassen. Ein Projektansatz, welcher in Tansania funktioniert und erfolgreich ist, kann in Bangladesch zum absoluten Misserfolg führen. Genauso verhält es sich mit Dorf A und Dorf B in Bolivien.
Der Einbezug der kulturellen Werte und Tradition und die Partizipation der lokalen Jugendlichen während dem ganzen Projektzyklus tragen zudem auch massegebend dazu bei, dass das Projekt lokal verankert ist und somit die Nachhaltigkeit eines Projekts garantiert wird.
Die Durchführung von Projekten in anderen Ländern bedeutet immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und den eigenen Werten. Es ist wichtig, die eigene Kultur gut zu kennen, gleichzeitig aber auch offen zu sein für andere Kulturen und Wertvorstellungen. Der interkulturelle Dialog erlaubt es, andere Kulturen fundiert kennen zu lernen. Ein Grundsatz gilt dabei immer: nicht werten. Fremde Kulturen und Werte sind weder besser noch schlechter als unsere, sondern schlicht und einfach anders.
Folgende Fragen könnt ihr euch bei eurer Projektplanung stellen:
- Respektiert unser Projekt die lokalen Wertvorstellungen und Bräuche? Haben wir dies mit der lokalen Partnerorganisation gemeinsam abgeklärt?
- Wie beeinflusst unser Projekt die Kultur der Jugendlichen vor Ort?
- Können wir die kulturellen Besonderheiten vor Ort mit unseren eigenen Werten vereinbaren?
- Haben wir uns genügend über die lokale Kultur informiert?
-> Partnerorganisation, Literatur, Filme, etc. - Sind wir uns bewusst, dass gewisse Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation auf kulturellen Unterschieden basiert sein können?
->Nicht werten! - Können wir Minderheiten in unser Projekt integrieren und einen interkulturellen Austausch ermöglichen?
Links:
DEZA Kultur und Entwicklung
http://www.deza.admin.ch/de/Home/Themen/Kultur_und_Entwicklung
DEZA: Kultur ist kein Luxus – Kultur in Entwicklung und Zusammenarbeit:
http://www.deza.admin.ch/ressources/resource_de_24137.pdf
Glossar Kultur und Entwicklung:
http://www.gtz.de/de/dokumente/de-glossar-kultur-und-entwicklung-2005.pdf
PDF-Version [Download]


